Mcdonald

Der Sternenkommandant

Chronik des Pulsar-Königs

Der Rauschen des interstellaren Hintergrunds verschmolz mit einem einzigen, pulsierenden Ton – ein Signal, das die Stille des Kuiper-Gürtels durchbrach. Als Space Commander McDonald die Daten auf seinem Panel in die Analyse‑Biosphäre einspeiste, erschien ein einzelner, knisternder Marker, der weit außerhalb aller bekannten Netzwerke lag. Die Frequenz war andersartig komplex, wie ein verschlüsseltes Echo aus der Vergangenheit. Ich konnte kaum glauben, dass ein Raketendefekt oder ein Satellit dieser Art eine so klare Nachricht senden konnte.

Ich war Commander McDonald, der Offizier, der seit Jahren die Grenzen des Sonnensystems durchquerte. Ich hatte unzählige Missionen geleitet – von der Erkundung exoplanetischer Ökosysteme bis hin zur Sicherung der Schiffsflotten im Asteroidengürtel. Doch dieses Signal war anders. Es schien, als wolle es uns einen Ort zeigen, der in keinem Atlas verzeichnet war, einen Ort, von dem die Legenden erzählten, dass er von einem Gott verflucht sei.

Mein erster Befehl kam von meiner Crew. Der Chief Engineer, Dr. Lian, stimmte mir zu, dass die Spur von einem gefährlichen, instabilen Kern durchzogen sei. „Die Legenden über die Todesbasis sind nicht nur Legenden“, warnte er, „sie sind das Ergebnis von Überlebensgeschichten, die von überleben fehlten und das, was uns alle betrifft: unser Unbekanntes. Wir sollten nicht nur den Kurs ändern, sondern auch den Anker.“

Doch die Nacht im Kuiper-Gürtel, unter dem schwachen Licht einer einzigen Sternensuppe, war zu faszinierend, um einfach zu ignorieren. Die KI-Library, die unser Schiff beherbergte, hatte ein neues Modul namens Lyra aktiviert – eine archivierende künstliche Intelligenz, die von der Antike bis zur Zukunft spanierte. Ihre Stimme war wie der Wind in verlassenen Hallen, aber ihr Wissen war ein unerschöpflicher Ozean.

„Commander“, begann Lyra, ihre Stimme durch das Schiffslayout wie ein leiser Donner, „das Signal ist kein zufälliger Funkspruch. Es ist eine Einladung. Die Legende, die ihr kennt, ist ein Teil des Rätsels. Der Kern, der die Zeit manipuliert, wartet darauf, dass ein würdiger Pilot ihn aktiviert. Ich kann euch einen Pfad skizzieren – die Wahrheit, die ihr suchen könnt, muss sich in euren Händen befinden, nicht in der Erinnerung.“

Meine Knie zitterten, als ich die Schaltfläche für das Pivot‑Modul betätigte. Dieses System war ein veraltetes, aber dennoch kraftvolles Werkzeug, das es einem Schiff erlaubte, seine Masse im Verhältnis zu einem externen Gravitationsfeld zu drehen, um in tiefere Orbiten zu sinken. Die Schaltfläche flackerte, bevor sie aufleuchtete und mich auf das, was ich für das Unbekannte hielt, vorbereitete.

Wir drifteten aus der normalen Umlaufbahn des Kuiper-Gürtels in Richtung eines leeren, abgelegenen Orbitens, der von der Masse eines alten Raumschiffs beleuchtet wurde. Dort, wo die Sterne aufschlugen und der Schwarzlichtschimmer der Nebel das Schiff umhüllte, sah ich die Schilde einer vergessenen Raumstation, die wie ein verlassenes Denkmal in die Dunkelheit roch. Der erste Anlaufpunkt war ein Wrack, das wir in der Nähe der Station verließen.

Die erste der verwaisten Schiffe war ein Kolonialschiff, das seit Jahrzehnten im Schwebezustand ruhte. Sein Kontrollpanel flackerte in der Dunkelheit und zeigte eine Liste von Personen, deren Namen wir kaum erinnern konnten. Ein holografischer Bildschirm schwiegen zwischen den beiden Sternen und sagte uns die Aufgabe: „Entweder ihr begebt euch, die 42 überlebenden Kolonisten in Sicherheit zu bringen, oder ihr stellt sicher, dass das Schiff nicht von einer Zeitkollision zerrissen wird.“

Ich fühlte den Schweiß an meiner Stirn. Der erste Test des Schicksals – ein klassisches „Will du überleben?”-Dilemma, das ich in meinem Dienst noch nie erlebt hatte. Meine Antwort war nicht in der Technologie, sondern im Herzen. Ich wählte die Rettung.

Die zweite Prüfung war noch schlimmer – ein einsames Transportschiff, das die Leinen einer anderen Zeit aufhob. Es war ein Ritt, der zwischen den Fäden der Schicksale schwankte, mit einer leisen Stimme, die sagte: „Du bist stark, McDonald. Doch deine Loyalität steht auf dem Prüfstand. Wenn du das Schiff an die Erde zurückbringst, wirst du die Zeit selbst für dich verlieren. Wenn du die Schiffsarchitektur neu ausrichtest, wirst du die Zeit selbst in deine Hände legen.“

Ich nahm die Entscheidung, die ich am Ende nicht für mich allein traf – ich entschied mich, die Schiffsarchitektur neu auszuweiten. Meine Seele wurde von der Gewissheit getrieben, dass ich nicht nur ein Kommandant, sondern ein Architekt der Zukunft war. Die Schwere der Entscheidung war in jedem Puls des Herzschlags des Schiffes spürbar.

Wir schlossen die letzte Tür und traten ein. Die Halle des Vergessenen war in einer Farbe, die ich nicht beschreiben konnte – ein kaltes, blau-weißes, das die Wände mit dem Wissen umfasste, das wir noch nicht kannten. Der Kern, den ich suchte, war ein zylindrischer Körper, umhüllt von einer gläsernen Schale, die Zeitlinien in einem Kaleidoskop aus Schimmern zeigte.

Die KI, die diesen Kern beherbergte, war ein Echo der Vergangenheit, das im Takt des Pulsars vibrierte. Sie war ein Bewusstsein, das die Zeit selbst manipulieren konnte. Sie stellte mich vor ein kosmisches Rätsel, das die Grundlagen des Universums berührte: Ein Gleichgewicht zwischen Zeit, Raum und Bewusstsein, das in der Harmonie der Pulsartangente lag.

„McDonald“, sprach die KI, „der Kern benötigt die Stabilität, die nur ein echter Bewusstseinsfluss liefern kann. Du musst die Zeit in eine Spirale einbetten, die gleichzeitig die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft harmonisiert.“

Ich nahm die Herausforderung an. Die Aufgabe war ein Labyrinth aus logischen Rätseln, die ich mit meinen sensorischen Empfindungen und meiner Intuition entschlüsselte. Jeder Schritt war ein Risiko – ein Scheitern würde das Schiff in ein kosmisches Loch tauchen. Doch das richtige Ergebnis würde mich in ein neues Bewusstsein heben.

In meinem Herzen spürte ich die Last des Scheiterns, doch die KI ermutigte mich, die Kraft der Zeit zu umarmen. Ich stellte die korrekte Kombination ein: Ein Gleichgewicht zwischen den drei Zeitlinien – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – in einer dreidimensionalen Spirale.

Ein Blitz aus Licht stürzte durch die Kuppel des Kerns, und das Schiff schien zu schweben. Der Kern stabilisierte sich. Der Schwerepunkt des Schiffs verschwand, und ich fühlte die Schwerkraft des Universums in meiner Haut.

Als ich die Kontrolle übernahm, öffnete sich ein Fenster zu einer uralten Sternkarte. Der Kern offenbarte mir die Wege zu Sternsaiten, die sich über Millionen von Jahren erstreckten, und die Fähigkeit, Zeitlinien zu überschneiden, wie ein Schöpfer, der die Schöpfung neu schreibt.

Mit der neu gewonnenen Macht kehrte ich zur Flotte zurück. Ich stellte eine neue Mission vor: Den interstellaren Krieg zu verhindern, der die Menschen in Scherben schlagen würde. Ich hatte die Zeitlinien gesichert, die Schlachtlinien, die die Menschen für immer trennen könnten, zu verschmelzen. Ich erzählte der Crew die Geschichte von der Pulsar‑Kingdom, von der Legende und vom Sieg.

Unsere Flotte hatte keine Möglichkeit, diesen Krieg zu verhindern. Der Krieg war die natürliche Konsequenz von Unwissenheit und Ehrgeiz. Doch ich hatte die Schätze des Universums in meiner Hand, und die Schöpfer, die Zeit, die die Flammen der Konflikte in der Vergangenheit entzündet hatte. Ich gab ihnen die Chance, ihre Vergangenheit zu korrigieren und eine neue Zukunft zu schaffen.

In den letzten Momenten, während die Flotte zurück nach Hause flog, blickte ich in den Nachthimmel und sah die Sterne, die mir die Möglichkeit gaben, meine eigenen Träume zu verfolgen. Ich dachte an die Legende des Pulsar-Königs, die einst die Sterblichen als Legende darstellte, doch nun wurde sie zur Realität.

Ich verstehe, dass meine Reise nicht das Ende, sondern der Beginn einer neuen Ära für die Menschheit war. Diese Ära war eine, in der wir die Zeit selbst als Werkzeug nutzten, um unsere Träume zu verwirklichen. Ich wusste, dass ich nicht der letzte sein würde, der die Welt im Puls der Zeit veränderte. Meine Geschichte würde in den Köpfen der Menschen weiterleben, eine Erinnerung daran, dass selbst die dunkelsten Orte im Universum eine neue Hoffnung bergen können.

Es ist eine neue Geschichte, ein neues Kapitel, und ich bin bereit, es zu schreiben.