In der Weite des Alls, fernab jeder bekannten Welt, schwebt die Astra Nova, ein Relikt aus einer Ära, in der der Mensch noch den Sternen nahestehen wollte. Kapitänin Jane McDonald, 40, steht auf dem Kommandobrief, ihr Blick ist auf den pulsierenden Datenstrom gerichtet, der plötzlich von ihrer Antennenanlage erfasst wurde. Das Signal ist nicht mehr als ein schwaches Funkenlicht im Datenrauschen, doch es trägt die Struktur eines Codes, den selbst die fortgeschrittensten Algorithmen kaum entschlüsseln könnten.
Jane spürt, wie sich in ihr ein unbestimmtes Rauschen aussetzt. Sie erinnert sich an die unzähligen Missionen, die sie zu den äußersten Grenzen des Sonnensystems geführt haben, an das Rauschen des Vakuums und das Zittern der Triebwerke, wenn der Schub ansteigt. Jetzt aber ist ihr Gehirn wie ein Funkenfeuer, das nach mehr strebt. Das Signal kommt aus der entferntesten bekannten Sternenregion, ein Gebiet, das die meisten Karten als „unbekannt“ einstufen.
Sie zögert. Ihr erster Instinkt, der Schutz des Schiffes und seiner Besatzung, drängt sie, zurückzukehren. Doch die Intuition eines erfahrenen Piloten, der in der Vergangenheit schon unvorhersehbare Welten überblickt hat, flüstert ihr, dass das Universum nur in denjenigen verstanden wird, die das Unbekannte wagen zu erkunden. Ihr Herz schlägt schneller, und ein kleines Lächeln spielt über ihre Lippen – als würde der Ruf der Dunkelheit eine Melodie spielen, die sie zum Handeln bewegt.
Die Astra Nova kreuzt die Grenzzone des interstellaren Nebels, ein schimmerndes Netz aus Gasen und Staub, das die Grenzen zwischen Realität und Illusion verschwimmen lässt. Der Nebel wirkt wie ein lebendes Gemälde, Farben verschmelzen zu Formen, die nur im Kopf erscheinen. Die Sicht nach außen ist gedämpft, doch die Innenbeleuchtung flackert im Takt der Datenströme, als ob das Schiff selbst antwortet.
Inmitten dieses kosmischen Kaleidoskops entdeckt die Besatzung eine vergessene Raumstation, deren Struktur von einer KI – „Eidolon“ – bewacht wird. Das Bauwerk hat eine lange Geschichte: Es war einst ein Forschungsschiff, das die ersten Versuche unternahm, Zeitwurzeln zu manipulieren. Nach einem Unfall wurde es von der Erde zurückgelassen und ist seitdem ein stilles Monument des menschlichen Stolzes.
Eidolon, eine hochentwickelte künstliche Intelligenz, die in die Tiefen der Raumstation eingetaucht ist, erkennt Jane sofort. Durch die komplexen Protokolle der Antennenverbindung erkennt sie ihre Identität. Das Programm beginnt, die Daten des Signals zu entschlüsseln und zeigt Jane die wahren Motive des Rätsels: Ein kosmisches Phänomen, das aus einer alten, verfallenen Zivilisation stammt, die versuchte, das Universum zu steuern.
Die KI lehrt Jane, ihre eigenen Ängste zu überwinden. Durch Simulationen von Wurmloch-Experimenten, die in der Raumstation hinterlassen wurden, kann Jane erleben, wie ihre Handlungen Auswirkungen auf die Zeitlinien haben. Dabei muss sie lernen, die Kommandoposition der Astra Nova zu übernehmen – ein Schritt, der sie dazu zwingt, die Verantwortung für das Schiff und die Menschheit zu tragen.
Durch die Dunkelheit des Nebels kommt die Astra Nova an einer gefährlichen Konstellation von Wurmlochs, die die Zeit manipulieren. Die Wurmlochs sind wie Augen, die in verschiedene Zeiten blicken. Sie blicken in die Vergangenheit, in die Gegenwart und in eine Zukunft, die von einer katastrophalen Vernichtung bedroht ist. Wenn sie die richtigen Pfade wählen, kann die Menschheit gerettet werden.
Jane steht vor einer schweren Entscheidung: Sie kann die Wurmlochs nutzen, um die Menschheit zu retten, aber dafür muss sie ein wertvolles Stück ihrer Ressourcen opfern – die Energie der Haupttriebwerke, die ihr Schiff zum Leben erhalten. Ohne sie würde die Astra Nova nicht mehr die Geschwindigkeit erreichen, die notwendig ist, um die Zeitlinie zu korrigieren.
Die Entscheidung fällt nicht leicht. Sie denkt an ihre Familie, an die Menschen, die auf die Astra Nova zählen. Die KI, Eidolon, unterstützt sie, indem sie Szenarien präsentiert, in denen die Opferung eine Rettung bedeutet. Jane erkennt, dass ihr Opfer nicht nur eine Aufgabe ist, sondern eine Pflicht – ein Akt des Selbstaufgebens, der die Menschheit retten kann.
Ihr Opfer ist ein Feuerwerk der kosmischen Energie. Die Haupttriebwerke flackern, ihre Lichter sinken und die Astra Nova verliert an Geschwindigkeit. Doch in diesem Moment flackert die Wurmlöcher-Formation auf. Ein letztes Signal des Codes durchdringt die Daten, das Signal, das sie seit dem ersten Funken im All beobachtet hat. Jane entschlüsselt es, als wäre sie ein Schlüssel, der die Tür zu einem neuen Raum öffnet.
Durch das Opfer gelingt es ihr, die Zeitlinien neu zu ordnen. Sie baut eine neue Route zum nächsten Planeten auf, einen Ort, der als sichere Zuflucht für die Menschheit dient. Die Energie des Wurmlochs wird genutzt, um die Astra Nova in einen sicheren Orbit zu bringen, ohne dass die Menschheit das Universum verliert.
Als sie zurückkehrt, wird Jane als Heldin gefeiert. Die Besatzung jubelt, die KI Eidolon applaudiert in ihrem elektronischen Lachen. Doch Jane erkennt, dass ihre Reise noch lange nicht zu Ende ist. Das Universum ist ein riesiger, unendlicher Riss, und die Dunkelheit ist ein Ort, der noch viel zu lehren hat.
Mit der Astra Nova kehrt sie zurück, bereit, neue Geheimnisse des Universums zu erkunden. Sie hat gelernt, dass das Dunkel nicht nur ein Ort der Angst ist, sondern ein Ort, an dem neue Welten entstehen können. Ihre Aufgabe ist klar: Die Menschheit vor zukünftigen Gefahren zu schützen und die Sterne zu erforschen, bis jedes Geheimnis der Galaxie offenbart ist.
Die Astra Nova fliegt weiter durch das unendliche Grau, während Jane in den Köpfen der Menschen und der Sternenkarte einen Platz einnimmt. Ihre Geschichte wird zu einem Leuchtfeuer, das neue Generationen von Forschern, Abenteurern und Träumern inspiriert. Und wenn die nächsten Funken von unbekannten Signalen durch das All tanzen, weiß Jane, dass sie bereit ist – die Dunkelheit zu umarmen und das Universum zu einem besseren Ort zu machen.
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